Tapedeck – Vol1

Eine Kassette. Ihre Mechanik ist einfach. Über Zahnräder wird Magnetband aufgespult. Der Ablauf des Bandes vollzieht sich in einer sinnlich wahrnehmbaren Bewegung. In ihr steckt Kindheit. Eine Vergangene. Ich frage mich, ob die heute noch jemand hat. Kassetten aufnehmen. Nachmittage vor dem Radio verbringen.

Bald schon leiert das Band. Es reisst. Es zeigt Spuren seines Gebrauchs, Spuren seines Alters an. Es wird damit also auch etwas von mir darin sichtbar. Etwas das im digitalen Medium aber scheinbar verschwindet. Doch das weiß ich nicht. Eine Kassette mag bei gutem Gebrauch dreissig Jahre überdauern ohne zu leiern. Welche digitalen Daten existieren heute länger als 25 Jahre? Massenhaft vorhandene Daten, insbesondere Musik durch Tauschbörsen verbreitet wird heute nicht älter als 10-15 Jahre sein.

Was einen Unterschied zwischen analogen und digitalen Medien macht ist natürlich die Herstellung eines Mixtapes. Hierzu ist die Aufwendung einer Zeit von Nöten, die mit der hier und heute nahezu ständigen Verfügbarkeit von allen digitalisierten Dingen anachronistisch geworden scheint. Es erscheint heute als Verrücktheit, der nur Verliebte und Verzweifelte zugänglich sind.

Mit der Datenschwemme, welche durch das Internet erzeugt wird, ist eine andere Weise der Verfügbarkeit über die Dinge möglich geworden. Dem Mixtape geht es aber nun nicht darum sich etwas davon wegzunehmen. Es ist schliesslich nicht die Frage der Quantität des Umstandes, mit dem man etwas herstellt sondern seiner Qualität – der Frage nach der Art und Weise der Beziehung zum Objekt. Wie geht man mit den Dingen um, die man verwandelt um wandelt, was lässt man als Subjekt darin oder wie erkennt man darin was von einem Subjekt darin enthalten ist. So ist es doch Entfremdung, wenn man die Dinge durch eine Maschine zu sich holt, deren Funktionsweise man Ansatzweise nicht mehr versteht.

Gegen eine einfache Kulturkritik muss aber gesagt werden: Keine Sehnsucht nach einer Einfachheit der analogen Techniken. Die ist vermeintlich. Ich verstehe wenig welche Materie ein digitales Medium hat und ob diese Verfallsprozessen unterliegt. Und ich verstehe ebenso wenig etwas davon, wie sich Töne in einer mp3 Datei codiert finden, wie ich etwas davon verstehe wie sie in Plastik gepresst oder auf das Magnetband der Kassette kommen. Von Datenübertragung per Telefon und Funk ganz zu schweigen.

Das Mixtape jedenfalls egal auf welche Weise, digital oder analog hergestellt, mit welchem Zeitaufwand also ist doch auch schon eine Komposition, die mehr ausspricht, als sich über die auf ihm versammelten Aufnahmen in Worten sagen lässt. Darum muss man aber die Produktion eines Mixtape nicht als ‚Handmade‘ überhöhen bzw. ihm eine Authenzität zusprechen, die in der Wegnahme von Möglichkeiten begründet liegt.

Hier ist also ein Erstes – einem Freund zum Geschenk. Der wird es vielleicht kopieren, mit neuem Cover versehen verschenken und so kommt es irgendwann auf irgendeinem Weg vielleicht auch einmal zu Dir:

‚principle of hope‘

non2

A:

shipping news – axons and dendrites
galaxie500 – ceremony
slowdive – so tired
mojave3 – tomorrows taken
june of 44 – doomsday
codeine – pea
slowdive – souvlaki space station
pavement – newark wilder
fridge – years and years and years

B:

phantogram – all dried up
low – words
year of no light – thanatos
codeine – old things
mogwai – we‘re no here
slowdive – the sadman
drifting in silence – process of now
no means no – victory