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Chaostage 2012 in Karlsruhe

Da hab ich mir gedacht: Nichts wie hin! Zum Bahnhof und ein ICE 1. Klasse Ticket gekauft. Das Slime-Konzert und die kleine Randale am Rande hab ich zwar verpasst. Ebenso das Schleppscheisse-Konzert am Freitag, oder wann war das überhaupt? Naja. Egal. Hauptsache in Karlsruh‘ gewesen. Da war ja auch sonst jede Menge los.

Ganze Straßenzüge werden grade aufgerissen. Großaufgebote an Baggern, Bohrtürmen, Containern lagern auf den Plätzen. Bauzäune, Bauzäune, Bauzäune. Wohin das Auge reicht. Und wozu das Ganze? Nun ja, es wird wohl ein Teil der City unter die Erde gelegt. Karlsruhe bekommt die erste U-Stadt in Europa, heißt es. Eine B-Ebene, wie man das ja in den 1970ern genannt hat, als es darum ging deutsche Großstädte wie München, Stuttgart oder Frankfurt mit Schnellbahnstrecken zu durchlöchern – erstreckt sich bald vom Ettlinger zum Durlacher Tor und zurück. Ist das nicht schon genug Chaos? Nein dann müssen auch noch die Punkerchaotenhorden anreisen? Genug mit dem Text. Her mit dem Riotprrrn-Kram: Bitteschön!

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Karlsruhe. Scheiss Wetter. Nichts los. Alles wartet auf den großen Auftritt der Gruppe Schleppscheiße, die am Abend spielen soll. Punks haben sich auch noch keine eingefunden. Naja einer vielleicht.

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Chaoten lungerten auf Plätzen herum, bettelten um Kleingeld und Zigarretten und zogen alten Frauen an den Haaren.

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Nicht mal Mütter mit Kleinkindern waren vor ihnen sicher!

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Auch Grünflächen und Parkhäuser wurden von ganzen Gruppen zugereister Reisechaotengruppen heimgesucht.

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Die Chaoten schauen interessiert, was es im innern des Kastenwagens so gibt. O-Ton: „Damit bauen wir geile Kartonbarrikaden auf dem Marktplatz und lassen sie niederbrennen, yay!“

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Auch ohne Punkerkrawallen regiert das Chaos die Stadt.

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An jeder Ecke drohen Bagerzähne den Häusern in der City zu Leibe zu rücken. Berliner Spezialtiefbau: Die machen so was.

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Sorge treibt so manchen Karlsruher in die Räume des sozialen Wohnungsbaus. Wohin denn nu? Die Plätze sind rar. Zuerst muss ja abgerissen werden. Aber es werden ja auch neue Häuser gebaut. Irgendwo.

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Hier ist schon eine Wohneinheit der neuen Unterstadt bezugsfertig: Wohnen im Grünen. Und das mitten in der Stadt!

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Hier am Durlacher Tor sind weitere Teile der U-Stadt bereits im Rohbau.

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Mehr Platz in der City gibts in Zukunft für Media Markt, H&M und BVerfG.

Ich war ja schon fast wieder weg. Auf dem Weg zum Bahnhof durch die Karlsruher Oststadt. Ein Mann mit Bierflasche in der Hand kommt mir um eine Straßenecke entgegen. Er bleibt stehen und spricht mich an:
„Gut, dass ich hier weg bin. Die da drin sind alle verrückt.“

Frankfurt im Mai… – Kriegszustand!


du sitzt vorm radio
was musst du hören
der innenminister hat
den kriegszustand erklärt
kannst es nicht fassen
kannst nicht mehr denken
der bahnverkehr ist eingestellt
du bist gefangen

Die radikale Linke bleibt hässlich

Bullen auf dem Campus Bockenheim. Das geht gar nicht. Auch noch am fünften Jahrestag der KoZ-Stürmung. Erinnert sich da überhaupt noch jemand dran? Nebensache. Geht es doch bestimmt darum die eigene Hood zu verteidigen. Ob aus Tradition. Weil der Campus Bockenheim – Nachts – in die Hand der Autonomen gehört, so lange man denken kann oder weil die Demo hier angekommen ist und es gerade angeeigneter Raum ist. Angriff ist angesichts der Kräfteverhältnisse natürlich die beste Verteidigung. Damit hat man dem Abend auch noch eine kurzweilige Beschäftigung abgerungen und kann den angereisten antisemitischen Schlägerprollos von der roten Antifa Genoss*innen auch noch etwas bieten, muss nicht einmal eine Party organisieren, wo man am Ende doch wieder Stress mit deren Tanzverhalten hat(mit den eigenen Leuten kann man im Zweifelsfall ja immer noch reden). Nach bewährten Procedere werden also die Fachkenntnisse von Grillmeister*innen und Expert*innen der Altglasverwertung gegen die am Rande des Campus stehende Bullenarmada eingesetzt. Deren Reaktion kommt unerwartet. Was in den letzten Jahren vor allem in östlichen Bundesländern Anwendung fand, hat nun auch die hessische Polizei am Aftershow-Mob von Mittwochabend ausprobiert: Die kömmende Aufstandsbekämpfung. Zurückhaltung, Ausschwärmen, das Areal mit Gasgranaten beschiessen, Leute an den Ausgängen abgreifen.

Was man davon halten soll? Schön ist das nicht. Schön sind auch die Autonomen nicht. Die radikale Linke bleibt hässlich. Ihre Aktionen sind die immer gleichen Angebote zur unproduktiven Triebabfuhr, die für sich ja nichts beklagenswertes darstellt, wenn man sie dort nicht politische Praxis nennen dürfte. Wo ganz Frankfurt Hass auf die Polizei hat, selbige Bastarde und politische Gegner*innen Fotzen genannt werden können, da sind Theorie und Praxis – sprich das an Workshopwochenenden Besprochene und das Verstandene, das, auf den eigenen Körper, die eigenen Praktiken, Angewandte, Lichtjahre voneinander entfernt – auseinandergetreten.